Solidarität

thumb-fischeSchon Ton Steine Scherben sangen 1972 „Allein machen sie dich ein“. Dieser Slogan hat trotz des rüstigen Alters leider nichts an Aktualität verloren. Das gilt für die Bewohner*innen und Nutzer*innen der Friedelstraße 54, die sich zusammengeschlossen haben, um der Bedrohung ihres Wohn- und Lebensraums gemeinsam entgegen zu treten. Das ist ein ungemein wichtiger Schritt, denn als einzelne Miet- oder Nutzungspartei wäre der Widerstand gegen Modernisierung, Mietexplosion und sonstige Schikanen seitens der neuen Eigentümer weit weniger erfolgsversprechend.

Aber dennoch bleibt die Hausgemeinschaft erstmal ein gallisches Dorf inmitten eines Kiezes, der schon vor Jahren als lukrative Investitions- und Renditemöglichkeit für Immobiliengruppen aus aller Welt entdeckt wurde. Wer dort wohnt, arbeitet, oder öfter dort unterwegs ist kann ein Lied vom Kreislauf des Verkaufen, Moderniesieren, Mieten erhöhen und der daraus entstehenden Verdrängung singen. Ein gallisches Dorf auch in Berlin an sich, das in dem Bestreben eine profitable und präsentable Hauptstadt zu sein, schon viel zu oft die Bedürfnisse und Wünsche der „einfachen Bewohner*innen“, zugunsten von Prestigeobjekten (z.B. dem Ausbau der A100, dem Megaprojekt Mediaspree etc.pp), Wirtschaftlichkeit und Investorenrendite ignoriert, oder sogar bekämpft hat.

All dies eingebettet in eine Politik und Rechtssprechung, die klar auf Seiten der Eigentümer*innen steht. Die den sozialen Wohnungsbau in den letzten Jahrzehnten immens zurückgefahren hat, die jahrelang die deutlich sichtbaren Anzeichen der Dynamik von Aufwertung und Verdrängung ignorierte und die jetzt – angesichts der nicht mehr zu ignorierenden Zustände am Berliner Wohnungsmarkt – mit Gesetzen und Verordnungen reagiert, die viel zu spät kommen (Milleuschutz), schlecht bis gar nicht umgesetzt werden können (Verbot von Ferienwohnungen), oder so ausgehöhlt und voller Schlupflöcher und Ausnahmen sind, dass sie nicht das Papier wert sind auf dem sie gedruckt werden. (Mietpreisbremse).

Ganz schön trübe Aussichten könnte man meinen. Aber glücklicherweise gibt es nicht nur dieses einzelne gallische Dorf, sondern ungemein viele:

  • Kämpferische Bewohner*innen, Läden und ganze Häuser, die Modernisierungen, Luxussanierungen oder gar die Umwandlung ihres Wohn- und Lebensraums in Eigentumwohnungen nicht hinnehmen und dagegen auf vielen Ebenen vorgehen.
  • Stadtteil- und Mieter*inneninitiativen, die betroffene und solidarische Menschen zusammenbringen, Öffentlichkeit herstellen und bei konkreten Kämpfen unterstützen.
  • Wohn- und Hausprojekte, Projekträume, Freiräume und viele weitere Arten von Formen alternativen Lebens, die das Prinzip „Wohnraum als Ware“ ablehnen, dagegen aktiv werden und Alternativen schaffen und erproben.
  • Gruppen, Kampagnen und Bündnisse die allgemein zum Thema Gentrifizierung arbeiten, Material veröffentlichen, Aktionen durchführen und diesem System auf vielerlei Art die Zähne zeigen.
  • Und all die vielen Menschen, die (sich) auf individueller Ebene mit dem Thema beschäftigen, Widerstand leisten und auf vielerlei Ebenen solidarisch sind und handeln.

Dieses wunderbar große, vielschichtige und verzweigte Netzwerk zeigt, das sich niemand als Einzige*r wehrt, oder das alleine tun muss. Genau wie wir – individuell und kollektiv – andere Kämpfe unterstützen, wünschen – und brauchen – wir eben diese Unterstützung auch für uns.

Hier findet ihr Vorschläge, wie ihr uns konkret unterstützen könnt. Darüber hinaus sind eurer Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt.

Hier findet ihr eine Unterstützer*innenliste, auf die ihr euch gern – durch eine kurze Mail – mit eurer Gruppe, eurem Haus / Laden, oder als Einzelperson setzen lassen könnt. Gerne mit einem kleinen Statement.

Und hier findet ihr Berichte und Bilder von vergangenen Solidaritätsaktionen.

 

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