Chronologie

Eine (leider) noch nicht abgeschlossene Chronologie der Ereignisse, seit dem Verkauf unseres Hauses an die Citec Immo Invest GmbH.

09.12.2013

  • Die BewohnerInnen der Friedelstraße 54 werden über einen erneuten Verkauf ihres Wohnraumes informiert. Genauer hat am 01.12.2013 die Citec Immo Invest GmbH das Haus erworben. Zeitgleich wechselt wieder einmal auch die Hausverwaltung und von nun an zeichnet sich die M. Mende GmbH verantwortlich für die Betreuung des Hauses.

29.01.2014

  • Ein Rundschreiben der Hausverwaltung zeigt uns, dass sie es nun etwas ernster mit der Immobilie meint, da ein „Wohnungs-Stammdatenblatt“ ausgefüllt werden soll. Die Vermutung liegt nahe, dass Unterlagen zu den einzelnen Wohnungen durch die verschiedenen Zuständigkeitswechsel nicht mehr auf dem neusten Stand oder gar verschwunden sind.

März 2014

  • Einige Mietparteien bekommen merkwürdige Post von der Hausverwaltung in denen ihnen „illegale Untermietverhältnisse“ zur Last gelegt werden. Interessanterweise folgt einen Satz später direkt der Hinweis, dass es sich um diesen Fall um einen Kündigungsgrund handeln würde. Da die „illegalen Untermieterinnen“ allerdings kleine Kinder sind und sich andere Anschuldigungen auch im Sande verlaufen, funktioniert zumindest diese erste Drohung der M. Mende GmbH nicht.
    So begrüßt uns also unsere neue Hausverwaltung!

06.04.2014

  • Die MieterInnen erhalten Post von der Hausverwaltung M. Mende mit der Aufforderung, alle noch genutzten Fahrräder im Hof namentlich zu kennzeichnen. Da dort nach Auffassung der Hausverwaltung zu viele Räder stehen, werden nach Ablauf der Frist (18.04.2014) sämtliche Fahrräder auf Kosten der MieterInnen (!) entsorgt. O-Ton: „Vorsorglich lehnen wir bereits jetzt schon jegliche Schadensersatzansprüche ab.“

Update: Die Räder wurden tatsächlich später entsorgt. Die Betriebskostenabrechnung, bei der uns dies in Rechnung gestellt werden soll, steht noch aus.

12.05.2014

  • Die Hausverwaltung informiert alle Mietparteien darüber, dass demnächst ein Architekt Zugang zu sämtlichen Wohnungen erhalten muss um den Baubestand zu prüfen. Was das bedeutet, können viele sich sofort denken: Die Hausverwaltung hat nach den etlichen Wechseln kaum noch aktuelle Akten zu den Wohnungen und um ein reales Optimierungspotential zu erstellen, sind diese notwendig. Viele MieterInnen verwehren sich gegen die „aktuelle Bestandsaufnahme“ mit dem Verweis darauf, dass die letzte Hausverwaltung eine solche bereits durchgeführt hat und es seitdem keine baulichen Änderungen gab.

16.06.2014

  • In Punkto „Wohnungsbesichtigung“ erreicht uns nun Post von der Citec Immo Invest persönlich und weist direkt darauf hin, dass Modernisierungsmaßnahmen im Haus geplant sind, wodurch sich erste Befürchtungen also bewahrheiten. Letzlich werden nach erneutem Druck und Androhung von juristischen Konsequenzen die meisten Wohnungen „besichtigt“, da mittlerweile aber die ersten Menschen im Sommerurlaub sind, zieht sich dieses Prozedere sehr lange hin.

Juli 2014

  • Da mittlerweile seit geschlagenen sechs Wochen (!) kein Restmüll („graue Tonne“) mehr entsorgt wurde, haben wir schon wieder unnötigerweise Kontakt mit der M. Mende GmbH, die sich schließlich einsichtig zeigt und ihren Aufgaben nachkommt.

Sommer 2014:

  • Die wiederholten Besuche von Architekten, Fotografen und sonstigen Anzugträgern haben zumindest einen Vorteil: Die Notwendigkeit, in die Mietergemeinschaft einzutreten, ist mittlerweile allen Menschen im Haus ersichtlich.

09.10.2014

  • Es kommt, was alle befürchteten: Allen MieterInnen wird die Modernisierung des Hauses angekündigt. Dies geschieht direkt durch die Kanzlei des Anwalts T. Ab dem 23.02.2015 sollen die Putzschäden instand gesetzt werden. Außerdem soll ein „Wärmedämmverbundsystem“ montiert werden. Zu allem Überfluss wird auch eine überdachte Müllplatzfläche angekündigt, deren Kosten von 12.500€ (!) ebenfalls auf die MieterInnen umgelegt werden sollen. Insgesamt belaufen sich die Kosten der unserer Meinung nach völlig unnötigen Modernisierungen auf fast 250.000€, die Kosten der notwendigen Instandsetzungsarbeiten an den Außenflächen dagegen auf etwa 3.500€. Die Miete würde sich bei einigen Mietparteien um bis zu 60% erhöhen, bei allen anderen um 30-40%.

24.11.2014

  • Alle MieterInnen, die Mitglied im Mieterschutzverein bzw. in der Mietergemeinschaft (oder mit eigener Rechschutzversicherung gesegnet) sind, entschließen sich nach vielen Gesprächen untereinander dazu, die angekündigte Sanierung nicht zu dulden. Gemeinsam verweisen diese auf unzumutbare soziale und finanzielle Härten, die mehr als umstrittene Wärmedämmung bei Häusern wie unserem und die generell fehlende Notwendigkeit der Sanierung. Dringend notwendigen Reparaturarbeiten stimmten wir zu. (Härten_durch_Modernisierung, pdf)

18.12.2014

  • Gemeinsam mit vielen Menschen aus dem Haus haben wir die Produzenten des Films „Mietrebellen“ eingeladen, sehen mit ihnen gemeinsam den Film und schöpfen viel Kraft für die kommenden Monate.

19.-21.12.2014

  • Sämtliche Mietparteien im Haus, die mit Verweis auf soziale und finanzielle Härten keine Modernisierung (insbesondere keine Wärmedämmung) dulden, werden von Rechtsanwalt T. im Auftrag der Eigentümer auf Duldung verklagt. Die ersten Prozesse am Amtsgericht Neukölln finden Mitte Januar statt, viele erst im Februar/März. Nun beginnt die Suche nach AnwältInnen.
  • Für Belustigung sorgt das dilletantische Vorgehen des Rechtsanwalt T., der einerseits keine orthografischen Höchstleistungen vollbringt und andererseits selbst Menschen verklagt, die notgedrungen der Modernisierung zugestimmt haben.

22.12.2014

  • Die Hausgemeinschaft der Friedelstraße 54 entschließt sich, einen Brief an die Eigentümer unseres Hauses zu schreiben. Da wir uns eine vollständig andere Art der Kommunikation zwischen MieterInnen und der Citec Immo Invest (bzw. der Hausverwaltuung M. Mende) wünschen und eine gütliche Einigung beiderseits erhoffen, bieten wir einen Dialog an, schildern die in unseren Augen ersichtlichen Gründe gegen die Modernisierung und auch die sozialen und finanziellen Härten, die jene mit sich bringen würde. Es ging an die Berliner und Wiener Adresse und ist ein Versuch, dass ganze gütlich über die Bühne zu bringen.
    (Schreiben_an_Citec_Immo_Invest_GmbH, pdf)

Update: Eine Antwort erfolgte auch 8 Wochen später noch nicht.

20.01.2015

  • Alle Mietparteien werden darüber informiert, dass in den nächsten Tagen der Baustromanschluss für die Arbeiten verlegt wird. Da noch immer ein Großteil der MieterInnen keine Sanierung geduldet hat, sind wir darüber verärgert. Scheinbar soll hier trotz abhängiger Verfahren begonnen werden, Tatsachen zu schaffen.

11.02.2015

  • In der Nacht zuvor erscheinen die ersten Transparente an Balkonen der Friedelstraße 54. Zwischen 11:00 und 11:30 steigen drei Männer aus einem Auto und klettern mit einer Leiter an der Fassade hoch. Dort entfernen sie ein großes Transparent mit Hinweis auf Citecs „Respektvolle[n] Umgang mit den Mietern“. Ein Passant beobachtet den Diebstahl und dokumentiert alles mit Fotos. Ein Anwohner des Hauses wird von einem der Diebe angepöbelt und vorgewarnt, dass „alle anderen Transparente auch verschwinden werden“.

12.02.2015

  • Am Folgetag wird um 8 Uhr mit dem Aufstellen eines Baugerüstes begonnen. Die Schilder, die noch am Abend zuvor die Einrichtung der Baustelle (19.02. bis Ende Oktober) kennzeichneten, wurden von den Rüstern auf ihren Wagen gelegt und verschwinden somit vorerst wieder. Ein Mitarbeiter der Firma Belheim Dienstleistungen GmbH nutzt die Gelegenheit und entfernt gegen 9 Uhr morgens erneut unliebsame Transparente von einem Balkon in der 1. Etage. Als die Arbeiter darauf angesprochen werden, weisen sie jede Schuld von sich und geben die Visitenkarte von Christian R. weiter. Er sei der richtige Ansprechpartner, wenn die Transparente vermisst werden. Sie sagen außerdem, dass sie diese Person nicht kennen. Später stellt sich heraus, dass beide Arbeiter schon am Vortag beim Diebstahl behilflich waren und Herrn R. durchaus kennen. Das Gerüst wird bis zur 2. Etage gebaut, danach verlassen die Arbeiter sehr eilig die Baustelle, während wir eine Klage gegen das Gerüst vorbereiten.
    R. empfiehlt später am Telefon, nachdem er mit den Vorwürfen zum Diebstahl der Transparente konfrontiert wurde, dass wir “doch woanders hinziehen sollen, wenn es nicht passt”.

13.02.2015

  • Wiederum wird das Gerüst weitergebaut. Da diese Maßnahme offiziell erst zum 23.02. angekündigt wurde und weiterhin sämtliche Prozesse zur Duldung der Modernisierungen noch anstehen, klagt die Hausgemeinschaft gegen die Errichtung des Gerüstes (satte elf Tage zu früh!). Mit Hilfe unseres Anwaltes erhalten wir schließlich eine einstweilige Verfügung gegen das Bausgerüst. Demnach müsse es bis zum 16.02.2015 entfernt werden, ansonsten droht der Baufirma ein hohes Ordnungsgeld. Und als wäre das nicht Teilerfolg genug erscheint am Abend der erste Presseartikel über unsere Hausgemeinschaft auf der Onlinepräsenz der Berliner Mietergemeinschaft! Super!

15.02.2015

  • Zum Sonntagnachmittag freut sich die Hausgemeinschaft über ein Foto, welches uns zugesendet wurde. Darauf solidarisieren sich dutzende Menschen mit unserem Anliegen, indem sie aus Protest gegen das illegal aufgestelle Gerüst dieses für einige Minuten erklommen haben.

16.02.2015

  • Am darauf folgenden Montag rücken in den frühen Morgenstunden erneut die Gerüstbauer an. Statt das Gerüst wie verordnet abzubauen, werden erneut Platten nach oben befördert. Einer der Arbeiter, lockert vormittags mit Hilfe von Werkzeug Teile der Fassade aus den Balkonen. Vor diesen liegen seitdem große Betonklumpen, die bewusst und mit Gewalt aus dem Putz geschlagen wurden. Zuvor kam es unseres Wissens nach nie zum Herausbrechen und Herabstürzen von Schutt oder Fassadenteilen. Nachdem nebenbei erneut ein Transparent von einem Balkon in der 1. Etage entwendet wurde (Diebstahl Nr. 3!) , verständigen MieterInnen die Polizei. Im Anschluss gehen die Arbeiten weiter und das Gerüst wird nach oben hin vollendet, außerdem wird zu unserer Verwunderung ein Schutznetz eingerichtet.

17.02.2015

  • Uns erreichen die ersten Nachrichten von MieterInnen aus anderen Citec-Häusern im Friedrichshain, Neukölln und in Treptow. Sie gratulieren zum eingeschlagenen Weg und freuen sich, dass wir uns die unnötige Dämmung sowie sämtliche Einschüchterungen nicht gefallen lassen. Merkwürdigerweise verschwindet am selben Abend die Homepage von Citec aus dem Netz. Bis vor Kurzem war dort noch stolz der Haus”besitz” in Berlin aufgelistet (mit einzelnen Straßen und Fotos der Immobilien). Scheinbar soll dies nun nicht mehr einsehbar sein.

18.02.2015

  • Frohes Erwachen: Morgens prangt ein Solidaritäts-Graffiti an der Fassade in der 2. Etage. “Wir bleiben alle!” Da haben wohl engagierte FreundInnen der Nacht das Gerüst für ihre Zwecke benutzt.
    Während heute ausnahmsweise nicht gewerkelt wird lässt unser Anwalt ausrichten, dass die Gegenseite gegen unsere einstweilige Verfügung geklagt hat. Begründet werden Gerüst und insbesondere das Netz durch herabstürzende Steine (“Gefahr im Verzug”). Angeblich hätte sich der Zustand der Balkone in den letzten Monaten drastisch verschlechtert, weswegen die Passanten vor herabstürzendem Schutt geschützt werden müssten. Als Beweis führt er Fotos der durch die Arbeiter mutwillig beschädigten Balkone an. Der Gerichtsprozess dazu findet am 26.02. statt, sodass bis dahin das Gerüst wohl bleiben wird. Weiter wird behauptet, dass es zu keinerlei Lärmbelästigung bzw. Bauarbeiten gekommen sei – mit Hinblick auf die Vorgänge vom 16.02. ist das alles eine Farce!
    Und es kommt noch besser…

19.02.2015

  • Am morgen des kommenden Tages stehen ganz plötzlich wieder Schilder an den Bordsteinen vor unserem Haus, die auf ein Parkverbot und eine Baustelle hinweisen. Am Abend zuvor standen diese definitiv noch nicht vor dem Haus. Gegen 7 Uhr morgens werden mehrere Autos abgeschleppt. Ein Mieter, der Kritik an dem Vorgehen anbringt, wird mehrmals aufgefordert, wieder in seine Wohnung zu gehen. Anschließend wird die freie Fläche vor dem Haus mit Bauzäunen umstellt – Sinn? Absolut unklar! Wie bei jedem Besuch der Baufirma Belheim, werden außerdem sämtliche Flugblätter, die auf unser Anliegen hinweisen, entfernt und entsorgt.
    Als wäre das alles nicht schon ätzend genug, sucht der uns mittlerweile gut bekannte R. das Gespräch mit mehreren Menschen aus dem Haus. So fragt er ernsthaft, ob wir die nächsten Monate gut miteinander auskommen wollen und den “sanften oder den harten Weg bevorzugen”. Später schimpft er und kündigt an, einen Wachschutz für das Haus zu beantragen.
    Direkt nach dem Prozess gegen eine Mieterin aus dem Haus kommt auch der Eigentümer-Rechtsanwalt T. vom Amtsgericht zur Baustelle und wertet mit R. den Prozess aus. Man scheint sich gut zu kennen. R. fotografiert außerdem Menschen vom Haus gegenüber, die auf Balkonen stehen und Soli-Transparente aufgehängt haben. Es kommt zu einem Wortwechsel, bei welchem er ankündigt “Leute vorbeizuschicken, die uns mal den Hintern versohlen” wenn wir uns nicht zurückhalten.

14.03.2015

  • Am Nachmittag findet eine – von solidarischen Nachbar*innen organisierte – Kiez-Demo statt. Bis zu 500 Menschen demonstrieren – trotz Nieselregen und frostigen Temperaturen – ihre Solidarität mit verschiedenen bedrohten Projekten und Häusern im Kiez. Auch unser Haus ist mit eigenen Transparenten, Schildern und Wimpel-Fahnen vertreten. Die Demo zieht an verschiedenen Orten der Verdrängung vorbei. Einen Zwischenstopp gibt es u.A. vor unserem Haus, wo einer unserer Mitstreiter einen sehr bissigen Redebeitrag verließt. (Bericht mit einer Sammlung von Presseartikeln und Fotos)
  • Unangenehmer Fakt des Tages: Christian R. ist ebenfalls rund um die Demonstration unterwegs. Mit einem Kollegen seiner Firma Belheim Dienstleistungen GmbH fotografiert und filmt er die Teilnehmer*innen der Demo. (Bericht zur Demo, wo dies erwähnt und via Fotos belegt wird.)

to be continued…

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