Ein Update zur aktuellen Situation

Wir haben uns schon lange nicht mehr öffentlich geäußert.

Der Grund dafür ist vor allem der, dass unser Fokus momentan vor allem auf den laufenden Gerichtsverfahren liegt. Der Anwalt der „Gegenseite“, der „Citec Immo Invest GmbH“, hat sich mit uns und unserer Anwältin einen (v.a. schriftlichen) Schlagabtausch geliefert, der nun darin mündete, dass die jeweiligen Richter und Richterinnen ein bauphysikalisches Gutachten über Sinn und Unsinn der geplanten Wärmedämmmaßnahmen in Auftrag gegeben haben. Nun hängt der weitere Verlauf der Duldungsprozesse gegen die Mieter_innen der Friedelstraße 54 vor allem von diesem Gutachter und seinen Ergebnissen ab.

Unsere Argumente

Unsere Positionen gegen die geplanten Modernisierungsmaßnahmen bestehen grob zusammengefasst aus folgenden zwei (starken) Argumenten:

1. Die geplante Wärmedämmung hat an unserem Haus keinen positiven Effekt!
Unsere Mauern sind einen halben Meter dick, unsere Heizkosten ohnehin gering (s.u.). Die „Einmantelung“ der Friedelstraße 54 würde die Wände nur unnötig abdichten, mit dem Effekt, dass die Wände nicht mehr „atmen“ können: Es kann einerseits leicht schimmeln und andererseits kann die Sonne unser Haus nicht mehr mit ihren wohltuenden und wärmenden Strahlen verwöhnen…
Darüber hinaus möchten wir feststellen, dass wir ungern chemischen und leicht brennbaren „Sondermüll“ in Form von Styropor oder ähnlichem energieintensiv(!) hergestelltem an unserem Haus kleben haben wollen.
Die beabsichtigten Modernisierungsmaßnahmen verdienen viele (negative) Bezeichnungen, „ökologisch“, „sinnvoll“ oder „nachhaltig“ sind jedoch definitiv nicht die passenden Adjektive!

2. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht auf!
Angeblich würden wir durch die geplanten Maßnahmen pro Jahr Heizenergie im Wert von 17.900€ jährlich einsparen können. Tatsächlich liegen die Heizkosten aller Mietparteien des Hauses zusammengezählt jetzt schon bei lediglich knapp 7000€ pro Jahr. Würde die Behauptung der CITEC zutreffen, würden wir also als Konsequenz der Bau-Maßnahmen nicht nur unsere kompletten Heizkosten einsparen und müssten ergo gar nicht mehr heizen, sondern hätten darüber hinaus noch einen „Überschuss“ von über 10.000€. Bekommen wir den dann ausgezahlt? 😉

Ein konkretes Beispiel:
In einer Wohnung des Hauses liegen die durchschnittlichen Heizkosten momentan bei 18 € pro Monat. Die Erhöhung der Kaltmiete nach der Dämmung liegt laut Ankündigungsschreiben der CITEC bei 164€. Selbst wenn die Baumaßnahmen den Effekt hätten, dass die kompletten 18€ Heizkosten eingespart werden würden, müssten immer noch 146€ pro Monat mehr bezahlt werden. Der behauptete Nutzen steht also in KEINEM auch nur annähernden Verhältnis zu den auftretenden Kosten!

Zusammenhalt im Haus

Es ist wichtig zu betonen, dass es im Haus Friedelstraße 54 weiterhin einen großen Zusammenhalt gibt und einen Konsens in der Ablehnung der geplanten Modernisierungsmaßnahmen. Vor allem die angekündigten starken Mieterhöhungen von bis zu 70% im ersten Schritt und weiteren Erhöhungen in der Folgezeit werden konsequent abgelehnt. Des Weiteren besteht große Kritik an dem Vorgehen der „Citec Immo Invest GmbH“ und der mit ihr verbundenen Firma „Belheim GmbH“. Ihre Mittel und Methoden uns gegenüber empfinden wir als in hohem Maße unsozial, undemokratisch, respektlos und mitunter am Rande der Legalität.

Geradezu peinlich ist es, dass die CITEC sich zwar gegenüber Pressevertretern öffentlich äußert und Stellungnahmen abgibt, uns gegenüber jedoch schweigt. Bisher hat sie sämtliche direkte Kontaktangebote unsererseits konsequent verweigert.

In ihrem Statement gegenüber dem „Neuköllner.net“ verharmlost sie ihre Maßnahmen, stellt sich selbst als „Bestandshalterin“ der Hausstruktur dar und versucht, unseren Protest zu diffamieren, indem sie behauptet, dass der „Widerstand gegen die Modernisierungsmaßnahmen inzwischen auch von autonomen Gruppen getragen“ werde.

Solidarität im Kiez

An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich für die Solidarität und Unterstützung bedanken, die wir in den vergangenen Monaten von Nachbarn und Nachbarinnen, Geschäften und Einzelpersonen im Kiez sowie durch linke und anarchistische Gruppen und Kollektive erhalten haben.

Die Transparente und unsere schönen „Friedel-streikt“-Wimpel konnte und kann man an vielen Fenstern und Balkonen sehen. Das hat uns viel Mut gemacht und uns in den Auseinandersetzungen mit der CITEC und ihren Handlangern moralisch sehr unterstützt!

Dit ist noch echte Berliner „Kiez-Solidarität“. DANKE!!

Auch die Vernetzung mit weiteren kämpferischen Hausgemeinschaften und anderen CITEC-Betroffenen hat gut funktioniert und zu einigen fruchtbaren Resultaten geführt, wie z.B. der „Kiez-Demo“ am 14.03.2015 und erhellendem Informationsaustausch zum Verhalten der „Citec Immo Invest GmbH“ in dieser Stadt.

Forderungen

Abbruch der ungewollten und unökologischen Modernisierungspläne – SOFORT!
Kommunikation auf Augenhöhe statt Duldungsklagen!
Keine Verdrängung durch Mieterhöhungen!
WIR BLEIBEN ALLE!

Hausgemeinschaft der Friedelstraße54
Berlin-Neukölln im Mai 2015

(Flyer als gelayoutete PDF, 2,8mb)

Ein Gedanke zu „Ein Update zur aktuellen Situation

  1. Grit Lemke

    Hallo,

    gibt es bei euch schon etwas Neues zum Gutachten?
    Wir beim Pankower MieterProtest thematisieren ja auch schon sehr lange diese unwirtschaftliche Fassadendämmung.

    Viele Grüße
    Grit

    Antworten

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