Denn wir alle sind Kiez – und das ist auch gut so!

Unser Redebeitrag auf der Kiez-Demo vom 14.03.2015

Hallo liebe Mitbetroffene und liebe Mitstreiter!

Ich bin Klaus von der Friedel 54 und ich bin ein Mieter!

Wir alle sind Mieter.

Wir sind nicht reich, haben kein Vermögen. Kein Spielgeld, kein anlagehungriges Kapital

Wir haben uns in dieser Gesellschaft ein paar Nischen gesucht und diese mit unserem Leben ausgefüllt. Wir leben bescheiden unsere Ansprüche kommen nicht aus dem Hochglanzkatalog, wir vertrauen auf Kommunikation, Nachbarschaftsleben und Solidarität.

Wir sind keine Heiligen und wollen es auch gar nicht sein, wir setzen auf unser Selbstbestimmungsrecht und unsere Lebensart. Die möchte nicht käuflich sein und möglichst wenig Schaden an Umwelt und Gemeinschaftlichkeit anrichten.

Wir sind Menschen mit Bedürfnissen und Ansprüchen, keine Spekulationsobjekte und auch wir haben ein Recht auf annehmliches Wohnen zu Preisen, die bezahlbar bleiben.

Wir können und wir wollen uns nicht bedingungslos einem immer brutaler agierenden Arbeitsmarkt ausliefern und wir wollen auch nicht nahen oder fernen Immobiliengesellschaften die Hälfte und mehr unseres Arbeitslohns in ihr sowieso gut gefülltes Portemonnaie blättern.

In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, in dem Wohlhabende und Reiche sich das alles nehmen, was wir mit unserem Engagement, Herzblut und Eigensinn aufgebaut haben?

Die sich in unsere Gemeinschaften drängen, unser Zusammenleben erschweren und ihren banalen Konsumscheiß über uns ausgießen. Viele unserer über Jahrzehnte aufgebaute und mit Leben gefüllte Communities sind ihrer Verwertungslogik zum Opfer gefallen. Ob auf dem Prenzelberg, in Kreuzberg oder Friedrichshain.

Und jetzt sind wir an der Reihe!

Und unmissverständlich wird uns klargemacht:

Rechtlich sind wir als Einzelne gar nichts:

Abhängig,

verdrängbar,

bestechlich,

Manövriermasse

Wir haben keine Lobby und unsere „Volksvertreter“ lassen sich weder blicken, noch geben sie irgendeine Stellungnahme ab, von Hilfe ganz zu schweigen.

Dafür schleichen Tag für Tag die bezahlten Pitbulls und Auftragsknechte der Immobiliengesellschaften durch Haus und Hof

Wollen begutachten, einschätzen abwägen, die günstigsten Lösungen für ihre Auftraggeber finden.

Sie sind die Fußtruppe jener Herrschaften, die mit ihrem überflüssigen Kapital in der Weltgeschichte herumstochern auf der Suche nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten. Ihr Interesse beschränkt sich auf Prozentzahlen, ihr Horizont endet beim Kontoauszug

Sie sind und bleiben anonym, nicht fassbar, nicht zur Verantwortung zu ziehen

Denn eine solche haben sie nicht, brauchen sie auch nicht

Rechtssystem und politische Verhältnisse sind auf ihrer Seite. Wenn das nicht reicht oder zu lange dauert – sprich zu teuer wird – wir eben eingeschüchtert, Angst verbreitet, Rechtsanwälte und Gerichte auf die Renitenten gehetzt oder mit vagen Bestechungsversuchen geködert.

Aber was schert es den Herren, wenn der Knecht jammert!

Doch wir wollen nicht länger nur jammern,

Wir wollen uns auch nicht mehr mit abstrakten Rechten, wie Mietspiegel oder Milieuschutz oder sonstig Versprechungen einlullen lassen. Auch Mietpreisbremsen lösen keinen unserer aktuellen Probleme.

Wir wollen unsere bezahlbaren Wohnungen behalten, unsere Etagenklos, unsere Kachelöfen, unsere Innenhöfe.

Wir wollen selbst mitbestimmen, was mit unseren Wohnungen passiert.

Wir brauchen keine Dämmung bei 50cm Wanddicke, keine verschimmelnde Kunstofftotalisolierung und auch keine regenabweisenden Müllstationen oder ähnlich überflüssigen Mieterhöhungsschnickschnack

Wir wollen nicht, dass auf unserem Rücken Geschäfte gemacht werden.

Wir wollen mit allen Betroffenen zusammen aufstehen und lauthals kundtun

Nur wer kämpft, kann auch gewinnen

Wir bleiben alle! – Am Kotti, in der Friedel und überall sonstwo!

Denn. wir alle sind Kiez!

Und das ist auch gut so!

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