Die Nachhaltigkeit der Maßnahmen

Balkon ZerstörungWarum Modernisierung selten umweltbewusst ist.

Ganzheitliche Planung einer Immobilie heißt sie in ökologisch-technischer, sozial-gesellschaftlicher und wirtschaftlich-kultureller Hinsicht über ihren ganzen Lebenszyklus zu betrachten. Sie so zu planen, zu bauen, zu betreiben und sich am Ende Gedanken über Entsorgung und die Wiederverwertung der Baustoffe zu machen, nennt man „Facility Management“. Ganz im Zentrum dieses Denken steht der dauerhafte Vorteil für den „Nutzer“, der auch dem langfristig denkenden Eigentümer immer ein Gewinn ist. Der Begriff „Facilitiy Management“ wird jedoch meistens für die Betreuung der Gebäudetechnik während der Nutzungsphase oder als Leistung des Hausmeisters verstanden.

Durch diese Betrachtung verschiebt sich stark, welche Investitionen sich zum Beispiel bei einem Neubau oder einer Sanierung und Modernisierung langfristig lohnen. Früher war bei Neubauten schon nach ca. 7 Jahren Lebenszeit der Punkt erreicht, wo Betrieb, Instandhaltung und Wartung mehr Kosten beansprucht haben, als der Bau selbst gekostet hat. Höhere Investitionen in der Anfangsphase können hier helfen, später sehr viel Kosten zu sparen. Dies ist nicht nur für den Umgang mit Ressourcen wesentlich, sondern auch wirtschaftlich.

Ganzheitlich oder umweltbewusst zu planen und zu handeln, damit werben Projektentwickler, zu denen heute oft auch Baufirmen gehören, die so nebenbei ihre Baustoffe und Bauleistungen verkaufen können. Damit werben ebenfalls Planungsbüros und Immobilienfirmen, werben Anbieter für Gebäudeausrüstung und natürlich auch Anbieter von Dämmmaterialen. Das Problem ist, dass sie als Bauherren auf Zeit oder als Verkäufer von Stoffen und Leistungen selten die Verantwortung für ein Haus und seine Haltbarkeit über seine ganze Lebensdauer tragen. Da sie nicht in der Verantwortung bleiben, geht ihre Betrachtung der Nachhaltigkeit nur bis zu dem Punkt, an dem sie das „Objekt“ veräußern und nicht mehr in der Gewährleistungspflicht sind. Sie spekulieren also auf einen möglichst hohen Verkaufswert. Planung und Bau werden dementsprechend vor allem in Hinblick auf den wirtschaftlichen Gewinn optimiert, während die möglichen Folgen späteren Besitzern und ihren Mietern aufgebürdet werden.

Verstärkt wird dies, wenn solche Maßnahmen generell durch öffentliche Gelder gefördert werden, weil sich für kurzfristig denkende Bauherren damit die Investition noch weiter lohnt. Die öffentlichen Gelder führen also zu privatem Gewinn, ohne dass gesagt wäre, dass sie ihrer Begründung nach richtig verwendet werden würden oder dass dies auch nur angedacht wäre. Da Sinn oder Unsinn mancher Maßnahmen stark vom speziellen Fall eines neu gebauten oder erworbenen „Objektes“ abhängen, gehörte zu einem ganzheitlichen Denken mehr, als nur die Förderwürdigkeit der Dämmung eines Bauteils in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Als ob dies als Belohnung nicht genüge, können damit für alle Zukunft immense Mietsteigerungen erreicht werden oder der Kaufpreis in die Höhe getrieben, ohne dass die geleisteten Investitionen dafür stehen würden. Um dies zu erleichtern werden zugleich die Rechte der Mieter ausgehebelt, um die es als „Nutzer“ im Sinne ganzheitlichen Denkens eigentlich gehen sollte. Neben allen anderen nennbaren Problemen als Folge des kurzfristigen wirtschaftlichen Interesses, werden die Kosten für höhere Wartung, Instandhaltung und Entsorgung den Mietern, zukünftigen Besitzern und der Öffentlichkeit weitergegeben.

Aber auch aufrichtig gemeinte und richtige technische Argumente von Bauherren und Sachgutachtern beziehen sich zumeist nur auf einen Aspekt der Immobile, selten auf ihr Ganzes, was zum Vorteil aller gegenwärtigen und zukünftigen „Nutzer“ und damit auch Besitzer wäre. Dies liegt einfach daran, dass sie sich oft niemals wirklich über die Nachhaltigkeit ihres Planens und Handelns Gedanken machen mussten. Die betroffenen „Nutzer“ sind bei der Wohnimmobilie Friedelstraße 54 im Moment die gegenwärtigen Mieter und sie werden als erste die Folgen schlechten, weil nicht ganzheitlich gedachten Planens zu spüren bekommen.

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