Update zur aktuellen Situation [20.02.15]

In den letzten Tagen ist sehr viel passiert, daher der Versuch einer „knappen“ Chronologie:

Am 11.02. werden von den ersten Sonnenstrahlen einige Transparente an der Fassade des Hauses beleuchtet. Kurz darauf erscheinen drei Männer, klettern mit einer Leiter an die Fassade und entfernen dort ein großes Transparent mit Hinweis auf den „Respektvolle[n] Umgang mit den Mietern“, den sich Eigentümer Citec Immo Invest selbst auf die Fahnen schreibt. Ein Passant beobachtet den Diebstahl und dokomentiert alles mit Fotos. Ein Anwohner des Hauses wird von einem der Diebe angepöbelt und vorgewarnt, dass „alle anderen Transparente auch verschwinden werden“.

Am Folgetag (12.02.) wird um 8 Uhr mit dem Aufstellen eines Baugerüstes begonnen. Die Schilder, die noch am Abend zuvor die Einrichtung der Baustelle (19.02. bis Ende Oktober) kennzeichneten, wurden von den Rüstern auf ihren Wagen gelegt und verschwinden somit vorerst wieder. Ein Mitarbeiter der Firma Belheim nutzt die Gelegenheit und entfernt gegen 9 Uhr morgens erneut unliebsame Transparente von einem Balkon in der 1. Etage. Als die Arbeiter darauf angesprochen werden, weisen sie jede Schuld von sich und geben die Visitenkarte von Christian R. weiter. Er sei der richtige Ansprechpartner, wenn die Transparente vermisst werden. Sie sagen außerdem, dass sie diese Person nicht kennen. Später stellt sich heraus, dass beide Arbeiter schon am Vortag beim Diebstahl behilflich waren und Herrn R. durchaus kennen. Das Gerüst wird bis zur 2. Etage gebaut, danach verlassen die Arbeiter sehr eilig die Baustelle, während wir eine Klage gegen das Gerüst vorbereiten.
R. empfiehlt später am Telefon, nachdem er mit den Vorwürfen zum Diebstahl der Transparente konfrontiert wurde, dass wir „doch woanders hinziehen sollen, wenn es nicht passt“.

Am 13.02. wird wiederum das Gerüst weitergebaut. Da diese Maßnahme offiziell erst zum 23.02. angekündigt wurde und weiterhin sämtliche Prozesse zur Duldung der Modernisierungen noch anstehen, klagt die Hausgemeinschaft gegen die Errichtung des Gerüstes (satte elf Tage zu früh!). Mit Hilfe unseres Anwaltes erhalten wir schließlich eine einstweilige Verfügung gegen das Bausgerüst. Demnach müsse es bis zum 16.02.2015 entfernt werden, ansonsten droht der Baufirma ein hohes Ordnungsgeld. Und als wäre das nicht Teilerfolg genug erscheint am Abend der erste Presseartikel über unsere Hausgemeinschaft auf der Onlinepräsenz der Berliner Mietergemeinschaft! Super!

Gerüst Aktion1NEUZum Sonntagnachmittag (15.02.) freut sich die Hausgemeinschaft über ein Foto, welches uns zugesendet wurde. Darauf solidarisieren sich dutzende Menschen mit unserem Anliegen, indem sie aus Protest gegen das illegal aufgestelle Gerüst dieses für einige Minuten erklommen haben.

Am 16.02. rücken in den frühen Morgenstunden erneut die Gerüstbauer an. Statt das Gerüst wie verordnet abzubauen, werden erneut Platten nach oben befördert. Balkon ZerstörungEiner der Arbeiter, lockert vormittags mit Hilfe von Werkzeug Teile der Fassade aus den Balkonen. Vor diesen liegen seitdem große Betonklumpen, die bewusst und mit Gewalt aus dem Putz geschlagen wurden. Zuvor kam es unseres Wissens nach nie zum Herausbrechen und Herabstürzen von Schutt oder Fassadenteilen. Nachdem nebenbei erneut ein Transparent von einem Balkon in der 1. Etage entwendet wurde (Diebstahl Nr. 3!) , verständigen MieterInnen die Polizei. Im Anschluss gehen die Arbeiten weiter und das Gerüst wird nach oben hin vollendet, außerdem wird zu unserer Verwunderung ein Schutznetz eingerichtet.

Am 17.02. erreichen uns die ersten Nachrichten von MieterInnen aus anderen Citec-Häusern im Friedrichshain, Neukölln und in Treptow. Sie gratulieren zum eingeschlagenen Weg und freuen sich, dass wir uns die unnötige Dämmung sowie sämtliche Einschüchterungen nicht gefallen lassen. Merkwürdigerweise verschwindet am selben Abend die Homepage von Citec aus dem Netz. Bis vor Kurzem war dort noch stolz der Haus“besitz“ in Berlin aufgelistet (mit einzelnen Straßen und Fotos der Immobilien). Scheinbar soll dies nun nicht mehr einsehbar sein.

WBA1_smallFrohes Erwachen am 18.02.: Morgens prangt ein Solidaritäts-Graffiti an der Fassade in der 2. Etage. „Wir bleiben alle!“ Da haben wohl engagierte FreundInnen der Nacht das Gerüst für ihre Zwecke benutzt.
Während heute ausnahmsweise nicht gewerkelt wird lässt unser Anwalt ausrichten, dass die Gegenseite gegen unsere einstweilige Verfügung geklagt hat. Begründet werden Gerüst und insbesondere das Netz durch herabstürzende Steine („Gefahr im Verzug“). Angeblich hätte sich der Zustand der Balkone in den letzten Monaten drastisch verschlechtert, weswegen die Passanten vor herabstürzendem Schutt geschützt werden müssten. Als Beweis führt er Fotos der durch die Arbeiter mutwillig beschädigten Balkone an. Der Gerichtsprozess dazu findet am 26.02. statt, sodass bis dahin das Gerüst wohl bleiben wird. Weiter wird behauptet, dass es zu keinerlei Lärmbelästigung bzw. Bauarbeiten gekommen sei – mit Hinblick auf die Vorgänge vom 16.02. ist das alles eine Farce!
Und es kommt noch besser…

Am morgen des 19.02. stehen ganz plötzlich wieder Schilder an den Bordsteinen vor unserem Haus, die auf ein Parkverbot und eine Baustelle hinweisen. Am Abend zuvor standen diese definitiv noch nicht vor dem Haus. Gegen 7 Uhr morgens werden mehrere Autos abgeschleppt. Ein Mieter, der Kritik an dem Vorgehen anbringt, wird mehrmals aufgefordert, wieder in seine Wohnung zu gehen. Anschließend wird die freie Fläche vor dem Haus mit Bauzäunen umstellt – Sinn? Absolut unklar! Wie bei jedem Besuch der Baufirma Belheim, werden außerdem sämtliche Flugblätter, die auf unser Anliegen hinweisen, entfernt und entsorgt.
Als wäre das alles nicht schon ätzend genug, sucht der uns mittlerweile gut bekannte R. das Gespräch mit mehreren Menschen aus dem Haus. So fragt er ernsthaft, ob wir die nächsten Monate gut miteinander auskommen wollen und den „sanften oder den harten Weg bevorzugen“. Später schimpft er und kündigt an, einen Wachschutz für das Haus zu beantragen.
Direkt nach dem Prozess gegen eine Mieterin aus dem Haus kommt auch der Eigentümer-Rechtsanwalt T. vom Amtsgericht zur Baustelle und wertet mit R. den Prozess aus. Man scheint sich gut zu kennen. R. fotografiert außerdem Menschen vom Haus gegenüber, die auf Balkonen stehen und Soli-Transparente aufgehängt haben. Es kommt zu einem Wortwechsel, bei welchem er ankündigt „Leute vorbeizuschicken, die uns mal den Hintern versohlen“ wenn wir uns nicht zurückhalten. Drohungen gegen unsere solidarischen NachbarInnen gibt es nun also auch, warten wir ab, ob das so eine gute Idee war.

FreundInnen, lasst euch nicht ärgern!

Und an die Menschen, deren Autos illegal abgeschleppt wurden:
Meldet euch bei uns, es gibt Zeugen!

(Stand: 19.02.15)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.